KACHUVA-DIE SCHILDKRÖTE

KONSTRUKTION UND KULTUR

Stampflehmbau

Traditionell – und zugleich hochaktuell: Aus Erde, Wasser und Stroh entsteht durch Verdichtung (Stampfen) eine massive, ressourcenschonende Bauweise. Die wiederverwendbare Schalung, lokale Materialien und die hohe Speichermasse machen Stampflehm besonders effizient: warm im Winter, kühl im Sommer – oft ohne zusätzliche Dämmung (ab ausreichender Wandstärke).

Tragwerk (Holz)

  • Lastabtragung primär über massive Außen- und Innenwände

  • Deckenbalken auf Wänden, bei Bedarf mit Stütze/Zuganker gesichert

  • Raster: bis 3,60 × 3,60 m (oft sinnvoll kleiner)

  • Stützen: max. 20 × 20 cm, auf Steinbasis, einfache Steckverbindungen

Öffnungen

  • Sparsam und konstruktiv klar gesetzt

  • Balkensturz über Fenster/Türen zwingend

  • Unter das Dach gezogen = material- & konstruktionssparend

  • Max. Glasmaß (trad.): 80 × 40 cm

Dach

  • Bitumenbahn unter Lehmabdeckung

  • Dachaufbau mind. 30 cm (Lehm-/Sand-/Kies-Lehm-Schichten)

  • Attika/Absturz/Entwässerung je nach Nutzung

  • Solarpaneele möglich – abgestimmt auf traditionelle Dachnutzung

Passivprinzipien

  • Orientierung der Baukörper zur Sonne (Süd)

  • Fenster: groß zur Sonne, klein auf der „kalten“ Seite

  • Nutzung von Solarenergie (Dachpaneele)

  • Greenhouses zur Kultivierung möglich

  • Speichermasse nutzen: Oberflächen/Farben können Wärmeaufnahme unterstützen

Fundament / Sockel

  • Steinsockel als Spritzschutz, mind. 30 cm über Erdreich

  • Streifenfundament aus Stein (ca. 30 cm tief im Erdreich)

Wände

  • Außenwände Stampflehm: 60–90 cm

  • Innenwände (z. B. Adobe): mind. 30 cm

  • Stampfschichten: 10–30 cm

  • Empfohlene Geschosshöhe: ca. 2,70 m (max. 3,20 m)

  • Faustregel: Wandstärke ≥ 1/12 der Wandhöhe

Schildkröten haben in Nepal insgesamt einen bedeutenden religiösen und kulturellen Wert. Es wird angenommen, dass der Gott Vishnu die Form einer Schildkröte angenommen hat, um das Universum in seiner Inkarnation vor der Zerstörung zu retten. In der hinduistischen Mythologie bezeichnet die obere Schale der Schildkröte den Himmel und die untere die Erde. Vishnus Schildkröten-Avatar, bekannt als Kurma, wird heute in einer Reihe von Tempeln in Indien verehrt.

Der Ursprung der Entwurfsidee lag im Bestreben, sich einem kreisförmigen Lageplan anzunähern. In der frühen Entwurfsphase wurden verschiedene Ansätze erprobt, bevor letztlich ein oktogonaler Grundriss gewählt wurde – als bewusste Annäherung an die Kreisform. Diese geometrische Entscheidung stellte einen gelungenen Kompromiss dar: Sie ermöglichte eine sowohl funktional gut organisierte Grundrissstruktur als auch eine klare formale Ausprägung. Aus dieser Balance zwischen idealer Form und praktischer Umsetzbarkeit entwickelte sich ein stimmiges und ausgewogenes Grundrisskonzept. In der weiteren Entwicklung des Entwurfs spielte die umgebende Landschaft sowie der kulturelle Kontext eine wesentliche Rolle für die Gestaltung. Besonders inspirierend war dabei die fiktive Stadt Jedha aus dem bekannten Star Wars-Universum. Ihre charakteristische Struktur und räumliche Anmutung fanden Eingang in einzelne gestalterische Entscheidungen. Diese Referenzen werden im Entwurf bewusst aufgenommen und gestalterisch reflektiert – eine Hommage an die atmosphärische Dichte und die architektonische Ausdruckskraft dieser cineastischen Welt.